Ich habe ja keinesfalls vor, früher als meine Holde zu sterben. Ich habe auch gute Chancen. Erst gestern Abend hat sie zu mir gesagt: „Wenn Du so weitermachst, bringst Du mich noch ins Grab.“ Doch vollkommen unabhängig davon gibt es eine neue Studie aus Schottland, die die Gründe dafür untersucht, warum Frauen unter normalen Umständen länger leben als Männer.
Erstes Ergebnis: Männer rauchen und trinken mehr als Frauen. Wobei das Rauchen der entscheidende Faktor ist: Ein Anteil von etwa 60 % der niedrigeren Lebenserwartung kann klar auf das Rauchen zurückgeführt werden. (Wobei in diesem Zusammenhang die Frage gestellt werden muss: Ruiniert die Bundesregierung mit der jüngsten Tabaksteuererhöhung langfristig die Rentenkasse? Denn je weniger Männer und Frauen rauchen und frühzeitig sterben, umso höher die Belastung! Hat das mal irgendjemand berücksichtigt?)
Zweites Ergebnis: Das Leben eines Mannes ist riskanter. Fest steht, dass Männer durch ihren Alltag häufiger Unfälle erleiden, durch den Beruf mehr Gefahren ausgesetzt sind und auch, dass sie in jedem Lebensabschnitt häufiger den Ausweg des Suizids suchen.
Drittes Ergebnis: Männer sind Vorsorgemuffel. Auch das kostet Lebenszeit.
Nun ja. Ich habe aber auch noch ganz andere Gründe gehört, warum Männer kürzer leben als Frauen. Zum Beispiel:
Weil Gott den Frauen die Zeit gutschreibt, die sie beim Einparken vertrödeln.
Weil Frauen die Männer erst in den Wahn, dann in den Ruin und später ins Grab treiben …
Ist natürlich Quatsch und gibt in keinem Fall meine persönliche Meinung wieder. Vielleicht liegt es ja auch nur an den … Ernährungsgewohnheiten:
Ein Forschungsteam des Institute of Prevantative Medicine hat festgestellt, dass kurvige Frauen länger leben und besser gegen Herzerkrankungen geschützt sind. Denn das Fett, das in den Hüften eingelagert ist, enthält einen natürlichen, entzündungshemmenden Stoff. Das so genannte Adiponectin wirkt sich positiv auf Arterien aus und verhindert das Anschwellen und Blockieren der Adern. Frauen, die einen Hüftumfang von weniger als 100 Zentimetern (Größe 42) haben, verfügen jedoch nicht über die gleichen natürlichen Schutzfunktion wie breithüftige Frauen.
Na, dann mache ich mal schnell Schluss. Ich koche jetzt für meine Holde. Irgendwas mit Mayo. Mit viel, viel Mayo …
Was machen die Steins eigentlich an einem Freitagmorgen? Sie lesen und streiten. Letzteres nur deshalb, weil ich heute Morgen über eine Studie gestolpert bin, die belegt, was wir Männer schon immer wussten: Frauen sind anders. Und es gibt Frauen, die das ausdrücklich bestätigen. Meine Holde zum Beispiel: „Zum Glück sind wir anders. Sonst würde die Welt im Chaos versinken.“ Man(n) kann das aber auch anders sehen:
Als mein Interesse für das weibliche Geschlecht vor etlichen Jahren so langsam erwachte, war es genau dieses weibliche Geschlecht, das mich in ein Gefühlschaos ungeahnten Ausmaßes stürzte. Und nun, Jahre später, steht meine Holde vor mir und behauptet, genau dieses Geschlecht sei dafür verantwortlich, das die Welt eben nicht im Chaos versinkt. Das muss Mann erst einmal glauben.
Doch zurück zur Studie:
Wenn das stimmt, was der italienische Psychologe Marco Del Giudice und seine britischen Kollegen Tom Booth herausgefunden haben, muss man das jeweils andere Geschlecht eher als Art Außerirdischen betrachten. Die Kernaussage der Untersuchung: Mann und Frau stimmen nur in zehn Prozent ihrer Persönlichkeitsprofile überein.
Betrachtet wurden 15 Persönlichkeitsmerkmale. Danach erreichen Frauen bei den Merkmalen Wärme/Zuneigung, Sensibilität und Besorgtheit deutlich höhere Werte als Männer. Diese liegen bei Gleichmut, Neigung zum Herrschen, dem Beachten von Regeln und Wachsamkeit klar vorn.
„War klar“, hat meine Holde das Ergebnis knapp kommentiert, als ich es ihr heute Morgen vorgelesen habe. „Und ein Fehler ist in der Studie auch drin!“
„So, welcher denn?“
„Da steht, dass Männer beim Beachten von Regeln klar vorne liegen. Das ich nicht lache!“
„Wieso stellst du das in Frage?“
„Nun, nimm dich. Ich kann die einfachsten Regeln aufstellen. Wer beachtet sie nicht? Du. Nimm die Männer als Ganzes: Wer baut mehr Unfälle, sitzt öfter im Gefängnis und hat mehr Punkte in Flensburg? Der Mann.“
Etwas nachdenklich schaute ich meine Holde an. Und warum auch immer – plötzlich fiel mir ein Spruch ein, den ich bei ihr noch nicht losgeworden war:
„Schatz, wenn wir schon so unterschiedlich sind. Von Natur aus, meine ich. Dann weißt du doch auch sicher, warum ein Herr Herr heißt, und eine Dame Dame?“
Irritiert schaute mich meine Holde an. „Was soll das denn jetzt? Und nein, ich weiß es nicht!“
„Na, ist doch ganz einfach: Ein Herr heißt Herr, weil in seinem Handeln stets eine gewisse Herrlichkeit zum Ausdruck kommt. Und eine Dame heißt Dame, weil ...“ Ich hielt inne. Für eine kurze Sekunde herrschte Schweigen. Dann schnaubte meine Holde kurz und verächtlich:
„Das soll witzig sein? Ist es nicht. Außerdem ist es ein alberner Versuch, vom Thema abzulenken. Aber bitteschön, wenn du schon so kommst, das kann ich auch: Weißt du, was Gott sagte, nachdem er den Mann erschaffen hat?“
„Nö, weiß ich nicht!“
„Er sagte: ‚Das kann ich aber besser‘.“
Ich schüttelte den Kopf: „Das finde ich jetzt auch nicht lustig. Aber du weißt doch wenigstens, warum Gott Adam eine Rippe geklaut und daraus eine Frau gemacht hat?“
Ich wartete nicht ab, bis die Holde antwortete, sondern fuhr einfach fort: „Er wollte zeigen dass bei Diebstahl nichts Vernünftiges rauskommen kann.“
Meine Holde reagierte mit einem Kopfschütteln. „Du bist mir heute Morgen entschieden zu albern. Dafür habe ich keine Zeit.“ Sie machte auf dem Absatz kehrt und verschwand in einem der anderen Zimmer. Typisch. Typisch Frau. Doch wie schrieb einst Saki, der britische Meister der Kurzgeschichte? „Einmal weiblich, immer weiblich. Die Natur ist zwar nicht unfehlbar, doch hält sie stets an ihren Fehlern fest.“ Aber das sage ich meiner Holden jetzt besser nicht.