Einer Ihrer Mitarbeiter möchte Urlaub? Dann schauen Sie ihn streng an und sagen Sie:
„Kommen Sie mir bloß nicht wegen Urlaub! Haben Sie denn gar keine Ehre im Leib? Wissen Sie überhaupt, wie wenig Sie arbeiten? Ich rechne es Ihnen mal vor:
Das durchschnittliche Jahr hat bekanntlich 365 Tage.
Davon schlafen Sie täglich etwa 8 Stunden, das sind 122 Tage – bleiben noch 243 Tage.
Täglich haben Sie 8 Stunden frei, das sind ebenfalls 122 Tage – bleiben noch 121.
Sonntags wird nicht gearbeitet, 52-mal im Jahr. Was bleibt übrig? 69 Tage.
Sie rechnen doch noch mit?
Samstagnachmittag wird auch nicht gearbeitet, das sind nochmals 52 halbe oder 26 ganze Tage. Es bleiben noch 43 Tage. Aber weiter:
Sie haben täglich 2 Stunden Pause, also insgesamt 30 Tage. Was bleibt in der Rechnung?
Nur ein Rest von 13 Tagen! Das Jahr hat 12 Feiertage – und da bleibt ...?!
Sage und schreibe 1 Tag! Und das ist der 1. Mai – an dem wird auch nichts getan!
Und da wollen Sie noch Urlaub?!“
G.Stein (Jan. 2012)
Männer am Glühweinstand
Weihnachten
ist eine herrliche Zeit. Zumindest für uns Männer. Keine Hektik. Kein
Stress. Warum auch? Dafür sind schließlich die Frauen zuständig.
„Ich
weiß gar nicht, wie ich das alles noch schaffen soll.“ Mit diesem Satz
überrascht mich meine Holde denn bereits am frühen Morgen.
„Was willst du schaffen und schaffst es nicht?“
„Ich habe nicht gesagt, dass ich es nicht schaffe. Ich habe gesagt, dass ich nicht weiß, wie ich es schaffen soll.“
„Aha. Und obwohl du nicht weißt, wie du es schaffen sollst, glaubst du aber, es doch schaffen zu können?“
„Ich weiß es nicht!“
„Aha. Und was weißt du nicht, ob du es schaffst, obwohl du glaubst, dass du es doch noch schaffen könntest?“
„Nimmst du mich jetzt auf den Arm?“
„Das
würde ich mich nie trauen. Du weißt, ich habe es im Rücken. Aber was
schaffst du nun vielleicht nicht, weil du nicht weißt, ob du es
schaffst?“
„Weihnachten“, sagt meine Holde und zieht das Wort dabei merkwürdig in die Länge.
„W e i h n a c h t e n“.
„Was
gibt es denn an Weihnachten zu schaffen? Da gibt es doch nichts zu
‚schaffen‘. Man setzt man sich mit Freunden oder der Familie zusammen,
isst schön, trinkt was, beschert sich gegenseitig. Das ist doch nett, da
muss man doch nichts schaffen.“
„Und der Baum schmückt sich von selber? Das Essen kocht sich von selber? Die Geschenke packen sich von selber ein …“
„Das tun sie nun wirklich!“
„Was?“
„Na, die Geschenke, sich einpacken. Ich lasse nämlich immer gleich im Laden einpacken.“
„Weil du zwei linke Hände hast. Du bist ein Geschenkeinpackstümper.“
Damit
hat meine Holde ausnahmsweise recht. Ich kann mir noch solche Mühe
geben. Wenn ich ein Geschenk selber einpacke, sieht das Geschenkpapier
hinterher immer so aus, als sei es bereits mehrfach verwendet und aus
der Altpapiertonne gerettet worden. Ich weiß auch nicht wieso. Aber mir
fehlt dieses Gen. Dieses Geschenk-Einpack-Gen. Aber das ist mir auch
egal. Dafür habe ich eine Menge gut funktionierender anderer Gene. Zum
Beispiel das Technikspielzeug-Gen. Das Lese-Gen. Und das Aus-Gen. Genau
letzteres Gen wird heute Abend zum Einsatz kommen: Ich werde mich mit
ein paar Kumpels in München auf dem Weihnachtsmarkt treffen.
„Dann
hast Du freie Bahn für deine Weihnachtsvorbereitungen“, sage ich meiner
Holden. „Ich stehe nicht im Weg rum, und Du kannst alles vorbereiten.
Dann schaffst du auch alles. Ist das nicht toll, wie ich dich
unterstütze?“ Glücklich über meine bevorstehende gute Tat schaue ich
meine Holde strahlend an.
Sie sieht das jedoch ein wenig anders.
„Du bist keine große Hilfe. Du bist nicht mal eine kleine. Du bist ja
gar nicht da. Während ich einen einsamen Kampf gegen den Kalender
ausfechte, ziehst du mit deinen Kumpels von Glühweinstand zu
Glühweinstand, redest dummes Zeug und am Ende des Abends fühlt ihr euch
alle wichtig.“
„Ach, das verstehst du als Frau nicht. Und dass
wir Männer uns ab und an zusammenhocken und austauschen, ist quasi von
der Natur vorgegeben. Das ist quasi in unser Stammhirn einprogrammiert
und gehört zum uralten Überlebensinstinkt.“
„Du willst mir also
jetzt sagen, dass vor 200.000 Jahren in irgendeiner Höhle in das
männliche Stammhirn „Glühwein trinken“ einprogrammiert worden ist?“
„Nicht
speziell Glühweintrinken. Sondern Erfahrungsaustausch. Wenn wir Männer
uns damals ausgetauscht haben, dann ging es um Jagdtechniken. Um gute
Jagdgebiete. Wir haben uns gezeigt, wie man aus Steinen Messer macht.
All das eben.“
„Jagdtechniken“. Während Sie das Wort ausspricht,
zieht meine Holde die Augen zu zwei kleinen Schlitzen zusammen. „Was
die Männer von heute nach dem dritten Glühwein über ihre Jagdtechniken
berichten, kann ich mir lebhaft vorstellen.“
„Unsinn“,
beschwichtige ich. „Wir reden doch nicht über Frauen. Also nicht nur.
Wir reden über den Beruf, das Geschäft, Fußball. Halt das alles.“
„Und über Frauen. Ihr redet immer über Frauen.“
„Natürlich tun wir das auch. Es wäre doch ungewöhnlich, wenn wir nicht über das sprechen, was uns im Leben am meisten aufregt.“
„Aufregt?
Hast du jetzt aufregt gesagt? Wir Frauen regen euch nicht auf. Wir
führen und leiten euch. Ihr würdet ohne uns Frauen immer noch in der
Höhle hocken und über Jagdtechniken sprechen, wenn wir Frauen euch nicht
Stück für Stück zivilisiert hätten.“
„Das hätten wir schon alleine hinbekommen. Wir Männer sind nämlich … wir sind … wir …“
Dummerweise
fällt mir jetzt kein passender Begriff ein. So belasse ich es dabei,
die Tür hinter mir ein klitzekleines bisschen zuschlagen zu lassen und
mache mich auf den Weg.
Als wenn so ein Männertrupp von heute
nur über Frauen sprechen würde. Nein, tun wir nicht! Wir Männer sind
durchaus in der Lage, auch über andere Themen zu sprechen. Und das tun
wir gerne und ausführlich. Stellen Sie sich doch mal an einen
Glühweinstand, und hören Sie zu. Da sehen und hören Sie, wie wichtig der
männliche Beitrag für unsere Kultur ist.
Genau genommen sind
wir Männer – etwa nach dem zweieinhalbten Glühwein oder einer Flasche
Wein oder 2 Maß Bier – die großartigsten Problemlöser, die es gibt. Wir
haben binnen kürzester Zeit DIE Lösungen für alles parat.
Konjunkturkrise?
Erledigt. Frauenüberschuss? Schaffen wir. Arbeitslosigkeit? Behoben.
Geldmangel? Hier ist die 2-Milionen-Euro-Idee. Hungersnot in Afrika?
Behoben …
Es ist wirklich wunderbar, was wir Männer an Lösungen
erarbeiten können. Es einzigartig. Und so ist es auch wieder an diesem
Abend mit den Jungs. Während wir am ersten Glühweinstand uns noch ein
wenig warmlaufen müssen, greifen wir schon am nächsten zielstrebig das
Thema drohende Wirtschaftskrise auf. Bei einem kleinen Umweg über ein in
der Nähe befindliches Lokal haben wir schon etliche Globalstrategien
erarbeitet. Insofern können wir uns, mit diesen einzigartigen Lösungen
in der Tasche, ganz dem nächsten Thema widmen. Zum Beispiel unser
Bundespräsident. Und wie einfach man als Ministerpräsident an 500.000
Euro kommt.
Während wir das diskutieren, finden wir den Weg zum
nächsten Lokal. Diese Strecke reicht, um auch die globale Erderwärmung
abzuhandeln. Im Lokal selber handeln wir dann noch schnell die Themen
„Böser Chef“ und „unfähige Mitarbeiter“ an. Aber auch hierfür werden
brillante Lösungen erarbeitet.
Und so geht das weiter!
Falls
Sie eine weibliche Leserin sind: Nun lesen Sie mal schwarz auf weiß
(oder genauer: hellblau), worüber wir Männer uns wirklich unterhalten.
Und wie lösungsorientiert wir arbeiten und vorgehen. Jetzt wissen Sie,
wie hart wir Männer an einer besseren Welt arbeiten. Und glauben Sie
mir, die nach dem vierten Glühwein entwickelten Lösungen sind
einzigartig, sind großartig. Sie funktionieren.
Nun können Sie
einwenden: „Und warum gibt es dann noch Wirtschaftskrise, Erderwärmung,
raffgierige Bundespräsidenten, böse Chefs und alles Übel dieser Welt?“
Genau
das ist die Tragik des Mannes. Genau mit dieser Frage legen Sie den
Finger in eine tiefe, offene Wunde. Merkwürdigerweise sind unter dem
nächstmorgendlichen Kopfweh diese Lösungen verschwunden. Sie sind weg.
Aus dem Gedächtnis gelöscht …
Und so müssen wir Männer wieder
losziehen. Müssen wieder Glühwein trinken und neue Lösungen erarbeiten.
So wie es uns unser Stammhirn befiehlt. Und so arbeiten wir Männer
ununterbrochen daran, diese Welt zu einer besseren zu machen – und
werden doch von unseren Frauen so missverstanden.
Günter Stein
20.Dezember 2011