"Expertenratschläge sind wieder gefragt!“ Übersetzt heißt das: Unternehmen lassen wieder mehr Berater ins Haus. Ich sehe das skeptisch. Denn warum ist ein Berater ein Berater? In der Regel, weil er sich nicht zutraut, das Geschäft selber zu steuern. Dazu fällt mir doch folgende Geschichte ein:
Es war einmal ein Mann in Amerika, der wohnte an einer Überlandstraße und verdiente sich seinen Unterhalt mit dem Verkauf von Hotdogs am Straßenrand. Seine Ohren waren nicht so gut, darum hörte er nie Radio. Seine Augen waren nicht so gut, darum las er nie Zeitung. Gut waren aber seine Hotdogs, die er verkaufte, und er stellte Schilder an die Straße, um dies der Welt mitzuteilen. Auch stand er selbst an der Straße und rief: „Ein Hotdog gefällig?“ Und immer mehr Leute kauften bei ihm.
Er erhöhte seine Bestellung für Würstchen und Brötchen. Er kaufte sich einen größeren Ofen, um mit dem Geschäft Schritt zu halten. Schließlich brauchte er einen Helfer und holte seinen Sohn vom College zurück. Und Folgendes geschah:
Der Sohn sagte: „Vater, hast du denn nicht im Radio gehört? Hast du denn nicht in der Zeitung gelesen? Wir haben eine riesige Rezession! In Europa ist die Lage schlimm. Bei uns in Amerika ist sie noch schlimmer. Alles geht vor die Hunde.“ Worauf sich der Vater sagte: „Mein Sohn war auf dem College. Er liest Zeitung und hört Radio. Er wird es ja wohl wissen.“
Daraufhin reduzierte er seine Bestellung für Würstchen und Brötchen, nahm seine Reklameschilder herein und sparte sich die Mühe, sich selbst an die Straße zu stellen und seine Hotdogs anzupreisen. Und praktisch über Nacht brach sein Geschäft zusammen. „Du hast Recht mein Junge“, sagte der Vater zum Sohn. „Wir befinden uns in einer gewaltigen Rezession.“
Karriere? Was für eine Karriere?
Geahnt habe ich es schon immer – jetzt habe es schwarz auf weiß. All die Karrieretricks, die man so kennt, taugen nichts. So verkündet Martin Wehrle, Karriere-Coach und Autor zahlreicher Fachbücher, gerade via Radio: „Die Leute sehnen sich nach einer einfachen Anleitung für die Karriere. Aber die gibt es nicht. In Wirklichkeit ist Karriere etwas ganz Individuelles.“
Und nun?
Also falls Sie eine der folgenden Möglichkeiten nutzen, um Ihre Karriere voranzubringen, dann stehen Sie ganz schön im
Regen!
FLOP: Facebook und Co
Facebook, Xing, LinkedIn, StayFriends, StudiVZ – die Möglichkeiten sind vielfältig, im Internet eine Visitenkarte zu hinterlassen und sich mit Freunden, Kollegen und beruflichen Bekanntschaften zu vernetzen. So bleibt man in Kontakt und schnappt auf, wo vielleicht ein interessanter Job frei wird, oder wird direkt von Unternehmen angesprochen, die auf der Suche nach Mitarbeitern am veröffentlichten Profil Gefallen gefunden haben.
So weit die Theorie.
Sehr schnell wird die gut gemeinte Aktivität jedoch auch zum Bumerang. Während bei Xing noch ein förmliches Bild und ein korrekter Lebenslauf eingestellt sind, prangt bei Facebook an Stelle des eigenen Konterfeis ein humorvoll gemeintes Bildchen von Homer Simpson oder ein Schnappschuss von der letzten Après-Ski-Party und man lässt sich zu dem ein oder anderen frechen, fiesen oder gar schlüpfrigen Kommentar auf der Profilseite eines Bekannten hinreißen. Das sieht dann Chef … oder der Personalleiter, in dessen Firma man sich gerade beworben hat. Und da landet der schöne Karriereplan dann:
in der Tonne.
FLOP: 60 Stunden pro Woche schuften
Blöd, aber: Die Dauer der Arbeitszeit ist kein Kriterium für die Leistung. Entscheidend ist, was hinten rauskommt. Schließlich hat man seinen Kopf vermietet, nicht seinen Hintern.
Und wenn es nur das wäre:
Wenn jemand wirklich jeden Tag, jede Woche von acht bis acht im Büro sitzt, wirft das eine Reihe von Fragen auf: Wie steht es um die Arbeitseffizienz? Vielleicht ist das lange Verweilen am Schreibtisch Ausdruck einer schlechten Organisation, Langsamkeit oder der Unfähigkeit, Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden zu können? Oder der betreffende Mitarbeiter kann nicht nein sagen, lässt sich alles aufhalsen und kann nicht delegieren? Oder er schützt umgekehrt viel Arbeit vor, um nicht noch mit zusätzlichen Aufgaben betraut zu werden? Vielleicht ist aber gerade das zusätzliche Projekt vom Chef dazu gedacht, zu prüfen, wer künftig für Führungsaufgaben in Frage kommt.
Deshalb:
Weg mit dem 60-Stunden-Plan. Der gehört genau hierhin:
in die Tonne.
TOP: Alkohol ist doch kein Karrierekiller
Sie trinken lieber nichts – weil das ein schlechtes Bild auf Sie werfen könnte? Auch dieser Plan gehört in die:
Tonne.
Wer völlig abstinent lebt, der vertrocknet mitunter auf dem Weg nach oben. Auf so mancher Messe kommen die entscheidenden Geschäftsabschlüsse nicht tagsüber am Stand, sondern abends an der Bar zu Stande. Und wie soll einen der Chef näher kennen lernen, wenn man als Einziger seine Einladung an eine größere Runde zum Drink nach Feierabend ausschlägt? Das Arbeitsleben hört nicht an der Bürotür auf. Wer ausgeht, trifft Menschen, knüpft Kontakte, übt sich im Kommunizieren. Da kann auch mal das ein oder andere Bier dazugehören. Schon bei den alten Griechen war das „Symposion“, ein gemeinsames geselliges Trinken, ein wichtiges Ritual zur Identitätsstiftung und Einbindung in die Gesellschaft.
FLOP: Du, Chef …
„Ich sage ‚du‘ zu meinem Chef. Die Karriere ist sicher.“
Denken Sie auch so? Hier ist der richtige Platz für solche Gedanken:
in der Tonne.
Die Beziehung zum Vorgesetzten sollte das sein, was sie nun mal ist – eine Geschäfts- und keine Kumpelbeziehung. Die verbale Distanz schützt bei Konflikten, denn mit einem „Sie“ behält Kritik eher einen sachlichen Charakter und wird nicht so schnell zum persönlichen Angriff. Zudem schützt sie vor Vereinnahmung. Mit einem „Du kannst mich doch nicht hängen lassen“ werden da gern mal Überstunden eingefordert und mit dem Satz „Du willst dir doch keinen Ärger mit der Geschäftsleitung einbrocken“ Gehaltswünsche abgeblockt.
TOP: Eigenlob stinkt … doch nicht
Keine Frage: Schaumschläger, die bei jeder Gelegenheit im Unternehmen darauf hinweisen, wie klasse sie sind und was sie schon alles geleistet haben, gehen schnell auf die Nerven. Auf der anderen Seite gilt aber auch:
Die tollsten Arbeitsergebnisse nützen nichts, wenn sie nicht entsprechend wahrgenommen werden. Gegen ein dosiertes Selbstmarketing ist also nichts einzuwenden. Idealerweise muss man sich dabei gar nicht selber gut darstellen. Vielleicht kann man ja einem Kunden, der besonders zufrieden mit einem war, stecken, dass das der Chef ruhig auch hören darf.
FLOP: Ich bin immer erreichbar …
Na, haben Sie auch während des Urlaubs geschäftliche E-Mails abgerufen … vielleicht sogar mit dem Betrieb telefoniert. Dann habe ich etwas für Sie:
die Tonne.
Klar: Moderne Smartphones mit Internet-Anschluss und E-Mail-Push-Service sind ein Segen – und zugleich ein Fluch. Denn sie machen ihre Besitzer allzu oft zu Sklaven, zu Informations-Junkies, die auch noch dem letzten News-Fitzel hinterherlaufen, um ja alle aktuellen Trends zu kennen und die kommenden so früh wie möglich zu antizipieren und ständig im Bild über alles zu sein. Schade nur:
Die Dauerinformation führt zum Zeitmangel bei der Informationsauswertung, einem Nachlassen der Fähigkeit zur Schlussfolgerung, zur Formulierung von Hypothesen und schließlich zum Entscheiden und konsequenten Handeln. Genau das zeichnet aber gute Manager aus – die Konzentration auf das Wesentliche.
Bleibt die Frage: Wie macht man Karriere? Wie hat man Erfolg?
Dazu fällt mir eine schöne Geschichte ein:
Dieter Bohlen hat ein sehr erfolgreiches Buch geschrieben. Seine Memoiren. Dort kann jeder, der es will, nachlesen, wie schön es ist, sorgenfrei zu leben, und was man alles erlebt, wenn man es ganz nach oben geschafft hat.
Dieter Bohlen hat noch ein anderes, überhaupt nicht erfolgreiches Buch geschrieben: „Der Bohlen-Weg“. Darin schreibt er, wie man überhaupt an die Spitze kommt. Er schreibt es gleich zu Anfang des Buches:
„Besser arbeiten als andere. Mehr arbeiten als andere.“ Das wollte dann aber doch niemand lesen. Doch vielleicht klappt es ja auch mit den beiden TOPS in diesem Beitrag. Ich kenne Leute, die haben es damit an die Spitze des Deutschen Fußballbundes geschafft. Aber gut, das ist eine andere Geschichte …